„Aber ich will doch gar kein Glasfaser“

Vereinzelt erreichen uns Stimmen die sagen, dass sie kein Glasfaser wollen, weil sie es nicht brauchen.

Nun, das ist richtig. Ich selbst „brauche“ es „jetzt“ nicht. Jetzt noch nicht. Dass sich der Fortschritt nicht aufhalten lässt ist unbestritten. Da sollten sich alle Parteien einig sein. 

Und wer die letzten 10 Jahre nicht mit Fingern in den Ohren und verbundenen Augen rumgelaufen ist, der sollte auch mitbekommen haben, dass die Geschwindigkeit mit der sich unsere Technologie fortenwickelt im Vergleich zu den vorherigen Jahrzehnten drastisch gesteigert hat.

Vor über 10 Jahren hat quasi noch keiner einen „extrem leistungsstarken Mini-Computer“ in der Hosentasche mit sich herum getragen. Heute haben die meisten – völlig unwissentlich – einen Computer in der Hosentasche der um das Jahr 2000 herum unvorstellbar gewesen wäre: 8-Kern-Prozessoren mit teils mehr als 2 Gigahertz Taktfrequenz. Über 1000x mehr Speicher als bisherige Systeme. Bildschirmauflösungen von denen Wissenschaftler bis dato nur geträumt haben.

Und nicht nur in der Hosentasche steckt viel „Computing-Power“. Selbst unsere Fernseher sind kleine Rechen-Monster geworden. Sie stellen heute schon manch in die Tage gekommenen Laptop in den Schatten.

Fortschritt ergibt sich vor allem auch durch die Möglichkeiten. Wenn Henry Ford damals seine Kunden gefragt hätte was sie haben wollen, dann hätten sie gesagt: Schnellere Pferde. Das Ergebnis war aber: Autos.

Von damals zu heute hat sich daran quasi nichts geändert. Fortschritt ergibt sich vor allem durch die Möglichkeit, nicht zwingend durch den „Bedarf“.

Wie eingangs erwähnt „brauchen“ heute nicht viele einen Glasfaseranschluss. Helmhof und Untergimpern sind klar unterversorgt. Hier wird etwas schnelleres dringend benötigt. Deshalb ist hier der Zuspruch zu Glasfaser auch höher als in Neckarbischofsheim, wo ein großer Teil der Einwohner bereits DSL mit 50MBit bekommt.

Das eigentliche Problem an diesem ganzen brauchen/nicht brauchen ist: Mit der jetzigen Ausbausituation, also dass die Telekom gerade eben erst Vectoring ausgebaut und damit recht gut 50 und 100Mbit ermöglicht hat, wird die nächste Ausbauiteration gut 10 bis 15 Jahre auf sich warten lassen. Das ist nicht nur das was uns die Vergangenheit gelehrt hat, sondern auch das, was Experten (und nicht nur wir hier) sagen.

Eigentlich wäre das nicht so schlimm. Warten wir eben 10-15 Jahre. Wir haben ja meist schon DSL50 und DSL100. Nur kommt hier wieder die Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung ins Spiel. Von Jahr zu Jahr steigt der Bedarf, ohne dass wir es mitbekommen. Und der Bedarf schreitet mit so großen Schritten voran, dass 10-15 Jahre „Warten auf die Telekom“ sich zur Durststrecke entwickeln wird.

Bitte Handzeichen wer die Zeiten noch kennt in denen der Aufbau einer Webseite beim Laden so lange gedauert hat, dass man Bildern Pixelzeile für Pixelzeile zuschauen konnte wie sie sich aufgebaut haben… Das ist noch nicht so lange her. Bei manchen war das erst vor gut 10-15 Jahren. Und genau darauf steuern wir wieder zu wenn wir nicht heute schon mit Glasfaser vorsorgen.

Webseiten werden ohne unser zutun Monat für Monat, Jahr für Jahr größer. Bilder werden hochauflösender, hochauflösende Videos laufen mehr und mehr als Hintergrund einer Internetseite. Grafiken und Schriftarten werden aufwendiger, hochauflösender und damit von ihrer zu ladenden Kapazität größer. Ohne dass wir etwas an unserem Surf-Verhalten ändern, wird unser Internet langsamer werden. Schleichend. Erst ganz langsam, dann zunehmend schneller. Jahr für Jahr rund 16%. Und wenn wir nicht heute die Chance mit der BBV ergreifen, haben wir die nächsten 10-15 Jahre mit Sicherheit (da sind sich die Experten einig) keine Chance unsere Anschlüsse den wachsenden Seiten im Internet anzupassen.

Die BREKO, eine Organisation der so ziemlich alle Internetanbieter Deutschlands angehören, hat ihre Mitglieder gefragt wie denn der Bedarf an Geschwindigkeit die letzten Jahre unter ihren Kunden war, wie er sich aktuell entwickelt und wohin der Bedarfstrend für 2025 zeigt.
Im vergangenen Jahr hat diese Befragung schon stattgefunden. Ergebnis: Die Provider sagten einen Bedarf von 600Mbit für 2025 voraus.
In diesem Jahr hat die gleiche Umfraeg noch einmal stattgefunden. Es trat keine Ernüchterung oder Korrektur nach unten ein. Nein, im Gegenteil. Der Bedarf wird aktuell bei 1.000Mbit für 2025 angesehen. Das ist in nur 7 Jahren! Sollten unsere Internetanbieter recht behalten (und die kennen uns eigentlich am besten), dann sind wir in nur 7 Jahren um Faktor 10 unterversorgt. Blöd nur, dass die Telekom in 7 Jahren nicht gleich auf der Matte stehen wird um auszubauen.

Deutschland droht den Trend zu verschlafen: Im Dezember 2017 waren nur 2,3% der deutschen Haushalte mit Glasfaser ausgestattet. Länder wie Finnland, Schweden und Co. liegen bei rund 70%. Sogar Länder wie Spanien und Portugal sind mit rund 40% rund 20x besser dran als wir. Deutschland verpennt gerade die Chance sich als IT-Wirtschaftsstandort zu platzieren. Andere Länder sind schon lange an uns vorbei gezogen.

Verwundert es da, dass manche Mitbürger etwas allergisch reagieren wenn sie auf Mitbürger treffen die an der Stelle argumentieren „Ich brauche das nicht“?

Jetzt haben wir die Chance fast zum 0-Tarif ein Upgrade auf einen zukunftsträchtigen Kommunikationsanschluss zu erhalten. Ich schreibe bewusst „Kommunikationsanschluss“. Denn über die Leitung geht nicht nur Internet und Telefon, sondern auch Fernsehen und allerlei andere Dienste. Dienste die heute schon genutzt werden und Dienste die in nicht allzu ferner Zukunft noch kommen werden.

Deshalb, auch wenn heute noch kein flächendeckender Bedarf da ist: Wir sollten für die nächsten Jahre Vorsorgen. Jetzt, und nicht erst morgen.

Bis 27.10. haben wir diese einmalige Chance. Nutzen wir sie.

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