“Aber ich will doch gar kein Glasfaser”

Vereinzelt erreichen uns Stimmen die sagen, dass sie kein Glasfaser wollen, weil sie es nicht brauchen.

Nun, das ist richtig. Ich selbst “brauche” es “jetzt” nicht. Jetzt noch nicht. Dass sich der Fortschritt nicht aufhalten lässt ist unbestritten. Da sollten sich alle Parteien einig sein. 

Und wer die letzten 10 Jahre nicht mit Fingern in den Ohren und verbundenen Augen rumgelaufen ist, der sollte auch mitbekommen haben, dass die Geschwindigkeit mit der sich unsere Technologie fortenwickelt im Vergleich zu den vorherigen Jahrzehnten drastisch gesteigert hat.

Vor über 10 Jahren (also um 2008 herum) hat quasi noch keiner einen “extrem leistungsstarken Mini-Computer” in der Hosentasche mit sich herum getragen. Heute haben die meisten – völlig unwissentlich – einen Computer in der Hosentasche der um das Jahr 2000 herum unvorstellbar gewesen wäre: 8-Kern-Prozessoren mit teils mehr als 2 Gigahertz Taktfrequenz. Über 1000x mehr Speicher als bisherige Systeme. Bildschirmauflösungen von denen Wissenschaftler bis dato nur geträumt haben.

Und nicht nur in der Hosentasche steckt viel “Computing-Power”. Selbst unsere Fernseher sind kleine Rechen-Monster geworden. Sie stellen heute schon manch in die Tage gekommenen Laptop in den Schatten.

Fortschritt ergibt sich vor allem auch durch die Möglichkeiten. Wenn Henry Ford damals seine Kunden gefragt hätte was sie haben wollen, dann hätten sie gesagt: Schnellere Pferde. Das Ergebnis war aber: Autos.

Von damals zu heute hat sich daran quasi nichts geändert. Fortschritt ergibt sich vor allem durch die Möglichkeit, nicht zwingend durch den “Bedarf”.

Wie eingangs erwähnt “brauchen” heute nicht viele einen Glasfaseranschluss. Helmhof und Untergimpern sind klar unterversorgt. Hier wird etwas schnelleres dringend benötigt. Deshalb ist hier der Zuspruch zu Glasfaser auch höher als in Neckarbischofsheim, wo ein großer Teil der Einwohner bereits DSL mit 50MBit bekommt.

Das eigentliche Problem an diesem ganzen brauchen/nicht brauchen ist: Mit der jetzigen Ausbausituation, also dass die Telekom gerade eben erst Vectoring ausgebaut und damit recht gut 50 und 100Mbit ermöglicht hat, wird die nächste Ausbauiteration gut 10 bis 15 Jahre auf sich warten lassen. Das ist nicht nur das was uns die Vergangenheit gelehrt hat, sondern auch das, was Experten (und nicht nur wir hier) sagen.

Eigentlich wäre das nicht so schlimm. Warten wir eben 10-15 Jahre. Wir haben ja meist schon DSL50 und DSL100. Nur kommt hier wieder die Geschwindigkeit der technologischen Entwicklung ins Spiel. Von Jahr zu Jahr steigt der Bedarf, ohne dass wir es mitbekommen. Und der Bedarf schreitet mit so großen Schritten voran, dass 10-15 Jahre “Warten auf die Telekom” sich zur Durststrecke entwickeln wird.

Bitte Handzeichen wer die Zeiten noch kennt in denen der Aufbau einer Webseite beim Laden so lange gedauert hat, dass man Bildern Pixelzeile für Pixelzeile zuschauen konnte wie sie sich aufgebaut haben… Das ist noch nicht so lange her. Bei manchen war das erst vor gut 10-15 Jahren. Und genau darauf steuern wir wieder zu wenn wir nicht heute schon mit Glasfaser vorsorgen.

Webseiten werden ohne unser zutun Monat für Monat, Jahr für Jahr größer. Bilder werden hochauflösender, hochauflösende Videos laufen mehr und mehr als Hintergrund einer Internetseite. Grafiken und Schriftarten werden aufwendiger, hochauflösender und damit von ihrer zu ladenden Kapazität größer. Ohne dass wir etwas an unserem Surf-Verhalten ändern, wird unser Internet langsamer werden. Schleichend. Erst ganz langsam, dann zunehmend schneller. Jahr für Jahr rund 16%. Und wenn wir nicht heute die Chance mit der BBV ergreifen, haben wir die nächsten 10-15 Jahre mit Sicherheit (da sind sich die Experten einig) keine Chance unsere Anschlüsse den wachsenden Seiten im Internet anzupassen.

Die BREKO, eine Organisation der so ziemlich alle Internetanbieter Deutschlands angehören, hat ihre Mitglieder gefragt wie denn der Bedarf an Geschwindigkeit die letzten Jahre unter ihren Kunden war, wie er sich aktuell entwickelt und wohin der Bedarfstrend für 2025 zeigt.
Im vergangenen Jahr (=2007) hat diese Befragung schon stattgefunden. Ergebnis: Die Provider sagten einen Bedarf von 600Mbit für 2025 voraus.
In diesem Jahr hat die gleiche Umfrage noch einmal stattgefunden. Es trat keine Ernüchterung oder Korrektur nach unten ein. Nein, im Gegenteil. Der Bedarf wird aktuell bei 1.000Mbit für 2025 angesehen. Das ist in nur 7 Jahren! Sollten unsere Internetanbieter recht behalten (und die kennen uns eigentlich am besten), dann sind wir in nur 7 Jahren um Faktor 10 unterversorgt. Blöd nur, dass die Telekom in 7 Jahren nicht gleich auf der Matte stehen wird um auszubauen.

Deutschland droht den Trend zu verschlafen: Im Dezember 2017 waren nur 2,3% der deutschen Haushalte mit Glasfaser ausgestattet. Länder wie Finnland, Schweden und Co. liegen bei rund 70%. Sogar Länder wie Spanien und Portugal sind mit rund 40% rund 20x besser dran als wir. Deutschland verpennt gerade die Chance sich als IT-Wirtschaftsstandort zu platzieren. Andere Länder sind schon lange an uns vorbei gezogen.

Verwundert es da, dass manche Mitbürger etwas allergisch reagieren wenn sie auf Mitbürger treffen die an der Stelle argumentieren “Ich brauche das nicht”?

Jetzt haben wir die Chance fast zum 0-Tarif ein Upgrade auf einen zukunftsträchtigen Kommunikationsanschluss zu erhalten. Ich schreibe bewusst “Kommunikationsanschluss”. Denn über die Leitung geht nicht nur Internet und Telefon, sondern auch Fernsehen und allerlei andere Dienste. Dienste die heute schon genutzt werden und Dienste die in nicht allzu ferner Zukunft noch kommen werden.

Deshalb, auch wenn heute noch kein flächendeckender Bedarf da ist: Wir sollten für die nächsten Jahre Vorsorgen. Jetzt, und nicht erst morgen.

Bis 27.10. haben wir diese einmalige Chance. Nutzen wir sie.

10 Gedanken zu „“Aber ich will doch gar kein Glasfaser”

    1. Gabriele Friedrich

      Ich auch nicht, vor allem auch, weil der damit verbundene Telekomtarifwechsel mind. 12 Euro im Monat kostet und nicht nur 3 Euro wie von dem Tür-Werbeteam behauptet. Die 3 Euro sind nur für die ersten 6 Monate und dann werden es 12 Euro mehr. Ich zahle jetzt schon incl. Leihgeräte und Servicevertrag 66 Euro/Monat an die Telekom und würde mit Glasfaser bei 78 Euro liegen, das ist Wucher, kann ich mir mit meiner Rente auch nicht mehr leisten.

      Antworten
      1. achristian Beitragsautor

        Mit “Wucher” bezeichnet man den total überzogenen Preis der zur gebotenen Leistung/Ware in keinem Verhältnis steht.

        Leihgeräte sind auf Dauer immer teurer. Irgendjemand verdient daran ja dauerhaft. Es ist also nicht ratsam ein Mietmodell zu wählen.

        Der “klassische Telefonanschluss” ist sogesehen tot. Den gibt’s auch bei der Telekom nicht mehr. Heute gibt es den Internetanschluss, und wenn man möchte noch den Telefonanschluss oben drauf (der dann technisch den Internetanschluss benutzt). Früher war es umgekehrt: Man hatte einen Telefonanschluss und konnte sich zusätzlich noch einen Internetanschluss, der dann die Telefonleitung benutzt hat dazu holen. Diese Zeiten sind vorbei.

        Preislich liegt BBV (keine Werbung, ich verdient daran keinen Cent) bei 45€/Monat inkl. Telefonie (=Preis ab dem 7. Monat). Damit das technisch funktioniert braucht es eben noch einen Router (den gibt’s für unter 100€) und noch ein Telefon. Entweder ein analoges Telefon (am besten das, das man schon hat). Dann muss der Router einen Anschluss dafür haben. Ggf. ist der dafür etwas teurer. ODER ein digitales Telefon. Das gibt’s auch für unter 100€.
        Gehen wir vom Schlimmsten Fall aus hat man 200€ Investition in neue Geräte und danach monatlich 45€.

        Wenn man von der einmaligen Anschaffung aus geht, ist das eine monatliche ersparnis zum genannten jetzigen Telekom-Anschluss von 21€. Und mit der Ersparnis hat man die Neuanschaffung in 10 Monaten schon wieder raus.

        Von “Wucher” kann man da nicht wirklich sprechen.
        Ich verstehe dass nicht jeder sich da auskennt und in den Mediamarkt laufen und das passende Gerät kaufen kann. Aber es ist ja nicht so, dass es dafür keine Dienstleister gäbe die einem da helfen können. Der erstbeste der mir einfällt ist hier ABICOS (ABICOS / 74921 Helmstadt-Bargen / Telefon: +49 7486 888900-0 / rhn-info@abicos.de). Auch hier keine Werbung. Ich bekomme keinen Cent dafür. Aber der Andreas Bischof von Abicos ist da sehr nett und hilft gerne weiter.

        Alles in allem: Erst schlau machen und DANN von Wucher sprechen wenn es wirklich Wucher ist.

        Antworten
  1. Cathrin Wunsch

    Ich zahle 30Euro für Constar Wlan ?!Mehr will ich nicht zahlen Glasfaser ist mir zu teuer?!
    Das ist ja Gelderpressung?!
    Können die von der Glasfaser das verlangen?!

    Antworten
    1. achristian Beitragsautor

      Ich verstehe einen Einwand. Aber du kannst nicht zwei komplett verschiedenen Leistungen auf der Ebene vergleichen (Äpfel mit Birnen und so…). Der kleinste Glasfaser-Tarif liefert 300Mbit Upload und 300Mbit Download. Keine Datenvolumenbeschränkung.
      Dein Congstar-Tarif scheint der “Homespot 100” zu sein. Darin stecken 50Mbit LTE Verbindung mit 125GB Datenvolumen.

      Wenn dir das Congstar-Angebot reicht: Prima. Aber wenn dir 50Mbit nicht mehr reichen und du keinen Glasfaseranschluss hast (der irgendwann mal fertig gebaut ist und funktioniert), ist es unwahrscheinlich dass Congstar vom Preis/Leistungsverhältnis noch mithalten kann, oder die gewünschte Leistung überhaupt liefern kann. LTE ist ein Funkstandard. Du teilst dir den “Äther” mit vielen vielen anderen. Glasfaser ist ein komplett anderes Medium und viel Leistungsstärker als eine solche Funkverbindung.

      Antworten
    2. achristian Beitragsautor

      Klar können die. Aber ich muss dazu sagen, du vergleichst Äpfel mit Birnen.
      Congstar WLAN… Gibt’s meines Wissens nicht. Du meinst sicher den Internetzugang über LTE: https://www.congstar.de/festnetz-internet/congstar-homespot-im-vergleich/

      Das ist definitiv nicht 1:1 Vergleichbar. Wenn dir das ausreicht: Alles bestens.
      Das Angebot von BBV umfasst 6x mehr Geschwindigkeit und *kein* Limit bzgl. Upload/Downloadmenge (ganz im Gegensatz zu Congstar). Von daher erhälst du mit Glasfaser ein vielfaches an Leistung zu einem vergleichsweise geringen Aufpreis. Aber wie gesagt: Wenn du mit Congstar prima auskommst wäre es blöd mehr auszugeben für etwas das du nicht brauchst.

      Dennoch: Als Haus- und Grundbesitzer wäre es eine schlechte Idee Glasfaser zu ignorieren weil LTE gerade ausreicht. Glasfaser hat deutlich mehr potential und ist zukunftssicherer als eine Funkverbindung.

      Antworten
    1. achristian Beitragsautor

      Hier gibt es durchaus Meinungsfreiheit, allerdings nicht 100% anonym (Trash-Emailadressen zählen da dazu) und auch nicht wenn Hassreden, Werbung oder dergleichen dabei sind.
      Wer etwas zu sagen hat, darf das hier tun. Mit realer Emailadresse ist das kein Problem. Weil ggf. will ich ja Details nachfragen. Mit einer Trash-Adresse geht das nicht.

      Wüsste nicht welchen Beitrag ich von dir nicht veröffentlicht habe. Wobei mir die Zuordnung bei dir aktuell gänzlich fehlt.

      Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert