Oberflächlichkeiten in den Golem-Kommentaren

Unsere Region hat es in die überregionale Presse geschafft. Das in der IT Welt vielgelesene Onlinemagazin „Golem – IT News für Profis“ hat über den 1GBit Tarif der BBV berichtet. Eigentlich eine gute Sache: BBV bietet als einer der wenigen Anbieter für einen überschaubaren Preis von 200EUR/Monat einen (symmetrischen) 1000MBit-Tarif an. Auch für Privatkunden. In meinen Augen ist das fast schon sensationell. Denn z.B. 1&1 kostet 1000MBit Glasfaser für Geschäftskunden nur in den ersten 12 Monaten 199EUR, danach schlappe 499EUR/Monat. Und wie gesagt, nur für Geschäftskunden.

Und was machen die Herren Golem-Leser in den Kommentaren? Meckern und streiten an der Kernaussage des Artikels vorbei. Als „Eingeweihter“ kann man das nicht wirklich verstehen. Da wird seitenweise gemeckert dass der Preis der 100MBit Variante der BBV viel zu teuer sei (man beachte: Der Artikel zielt auf den 1000MBit Tarif ab). 40EUR im Monat, das gehe gar nicht. In der Schweiz würde man da viel weniger zahlen, und überhaupt, selbst der 100MBit DSL-Anschluss der Telekom sei günstiger.

Na klar, die 100MBit der BBV sind, verglichen mit vielen anderen Tarifen und etablierten Technologien nicht wirklich billig. Aber in unserer Rhein-Neckar-Region eine unschlagbare Chance für die Zukunft. Viele Gegenargumente zielen auf DSL100 ab. Jedoch sind wir hier bei einer ganz anderen Technologie. Kupfer benötigt für den weiteren Geschwindigkeitsausbau zunehmen „Aktive“ Komponenten die immer näher am Endkunden installiert werden müssen (Stichwort „Verteilerkästen am Straßenrand“). Und in unserer Region wurde ja gerade erst Vectoring mit 100MBit eingeführt. Der nächste Geschwindigkeitsschub wird dann – so die Erfahrung der letzten Jahrzehnte – erst wieder in 10-15 Jahren erfolgen. Denn hierfür müssen weitere Verteilerkästen gesetzt werden, verbunden mit weiteren Tiefbau-Arbeiten und und und.

Hier positioniert sich BBV genau richtig: Glasfaser. In Leerrohren. Glasfaser bietet viel mehr Geschwindigkeit und Reserven für die nächsten 10-20 Jahre. Und selbst wenn man irgendwann erkennt, dass die Faser die man aktuell ins Haus gelegt bekommt nicht mehr reicht: Hey, da liegt ein Leerrohr. Man kann neue Leitungen ins Haus bringen ohne erneut die Bagger anrollen zu lassen. Ein Vorteil von dem die Telekom aktuell in unserer Region nicht profitiert, und den sie auch nicht auf dem Ausbau-Radar hat.

Ja, wir werden jetzt mit dem Ausbau der BBV und deren Glasfaser etwas mehr zahlen als andere Regionen, Bundesländer oder Länder, die das schon hinter sich haben. Aber es kostet das Land, die Kommunen und so gesehen auch den Steuerzahler nichts. Denn BBV finanziert das mittels Investoren, und nicht mit Steuergeldern. Und das ist auch der Punkt wo ich entschieden dem User „Pecker“ in den Kommentaren bei Golem widersprechen muss. Er beschwert sich darüber, dass er nur die Wahl zwischen einem DSL6000 und einem Glasfaseranschluss mit 40EUR für 50/10MBit hat. DSL6000 ist ihm zu langsam, und Glasfaser ist ihm zu teuer (oder zu schnell, das geht nicht genau aus seiner Formulierung hervor). Er würde damit etwas mitfinanzieren das er gar nicht haben möchte.

Falsch. Er möchte es haben, aber eben offenbar nicht zu diesem Preis. Es zwingt ihn keiner den Glasfaseranschluss zu nehmen. Er hätte ja auch bei DSL6000 bleiben können. Ich wette: Wenn er einen schnellere, aber günstigeren DSL-Anschluss hätte, würde er sich in 10 Jahren erneut beschweren dass der Anschluss zu langsam ist und er gerne Glasfaser haben würde.

Nicht immer passen Angebot und Nachfrage zusammen. Ich hätte auch gerne schon seit Jahrzehnten einen „symmetrischen“ DSL Anschluss (SDSL statt ADSL), zu bezahlbaren Preisen. War aber immer unerschwinglich. Glasfaser bietet nun diese Chance. Bei uns mit der BBV quasi privatfinanziert, ohne meine Gemeinde finanziell zu belasten. Für anfänglich ein wenig mehr als bei der DSL-Konkurrenz. Mit viel Luft nach oben was die Ausbaumöglichkeiten betrifft. Für unsere Region ist das eine eindeutige Win-Win-Win Situation.

3 Gedanken zu „Oberflächlichkeiten in den Golem-Kommentaren

  1. Antonios Fischer

    Liebe Leute,

    ich mag eure Artikel und das ihr so fleißig dran bleibt, aber bitte, es heißt nicht „synchrone“ Leitung. Jeder Anschluss hat einen „synchronen“ Datenaustausch. (paralleler down & upload)
    Die BBV will nun „symmetrische“ Anschlüsse schalten. Daher gleiche Bandbreite im down&upload 🙂
    Vg

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    1. achristian Beitragsautor

      Ach du schei*e … Du hast natürlich vollkommen recht. Symmetrisch, nicht synchron.
      Wird korrigiert. Danke für den Hinweis.

      Gruß
      Alex

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  2. Antonios Fischer

    Btw. auch ich verfolge natürlich die Berichte bei Golem und mache mir einen Spaß daraus, die User die gegen LWL/BBV usw. bashen, zu „kitzeln“ 😉
    Ebenso natürlich diejenigen, die die Schweiz/Östereich etc. als Vergleich heranziehen.
    Vg

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